ist die anzahl der fettzellen genetisch bestimmt?

nach angaben der weltgesundheitsorganisation (who) waren 2005 weltweit rund 1,6 milliarden erwachsene menschen übergewichtig. ob ein mensch fett wird, oder nicht, hat mit vielen einflussfaktoren zu tun. krankheitsbedingte fettsucht, z.b. aufgrund von stoffwechselstörungen, schließe ich in meinen betrachtungen hier aus.

warum wir „fett“ und schwer werden, liegt zum einen an einer positiven energiebilanz. wir nehmen mehr energie auf, als wir „verbrennen“, die überflüssige energie wird in form von unschönen polstern gespeichert. besonders, wenn es uns an bewegung und training mangelt. doch unbesehen von alldem scheint es, als würden manche menschen bereits beim anblick von kalorienreichen speisen dick, die anderen können essen, was sie wollen und bleiben schlank. wann werden die weichen für die tendenz zur fettleibigkeit gelegt? können wir einfluss auf die anzahl unserer fettzellen nehmen?

schon im mutterleib werden die weichen gestellt.
als ursache für einen hohen körperfettanteil bei babys kommt an erster stelle der ernährungszustand der schwangeren infrage, heißt es in einem bericht. „wir wissen heute, dass unter dem einfluss der bedingungen, unter denen das ungeborene heranwächst, die anlagen des kindes in die richtige oder aber in eine falsche richtung programmiert werden können.“ je mehr eine übergewichtige schwangere an gewicht zunimmt, desto höher ist der körperfettanteil ihres babys. frauen in deutschland nehmen während ihrer schwangerschaft heute zwei kilo mehr zu als vor 20 jahren.

evolutionär programmiert.
gehen wir bis in die periode der jäger und sammler zurück, die 99 prozent der menschlichen geschichte ausmacht. nahrungsmittelknappheit war die regel, und solche personen im vorteil, die in zeiten des überflusses effektiv kalorien speichern konnten. dies gelang insbesondere frauen, auch um ihrer ungeborenen und zu stillenden kinder willen. die fähigkeit, effizient energie speichern zu können: damals von großem vorteil, unter heutigen bedingungen und vor dem hintergrund eines überangebotes an nahrung eine große last.

dicke eltern = dicke kinder?
zwillingsstudien deuten darauf hin, dass übergewicht eine hohe genetische komponente hat. es ließ sich eine hohe übereinstimmung im bmi (body mass index) von eineiigen zwillingspaaren nachweisen. es besteht ein signifikanter zusammenhang zwischen dem bmi der kinder und dem der leiblichen eltern, nicht jedoch dem der adoptiveltern. hierbei spielte es keine rolle, ob die kinder gemeinsam oder getrennt aufwuchsen. als größten risikofaktor stellt sich jedoch statistisch ein elterliches übergewicht dar zufolge sind bei 30% adipöser kinder beide elternteile ebenso adipös.

die neigung, adipositas zu entwickeln wird im kindesalter stark beeinflusst.
wird dem säugling zu viel nahrung zugeführt, kommt es innerhalb der ersten lebensjahre zu einer starken gewichtszunahme, und im weiteren verlauf zu einem späterem übergewicht. die forscher haben festgestellt, dass sich die zellen vom fettgewebe im kindesalter stark vermehren, wenn die energiebilanz nicht ausgewogen ist bzw. zu viel energie aufgenommen wird. festgelegt wird die persönliche fettzellmenge demnach in der kindheit, wobei der aufbau der zellen bei übergewichtigen früher beginnt und schneller fortschreitet. die vorbildfunktion der eltern ist für kinder hier sehr bedeutsam. auch der grad der körperlichen aktivität wird maßgeblich durch den grad der aktivität der eltern beeinflusst. wird ein inaktiver lebensstil mit einem überangebot an nahrung bzw. falscher ernährung kombiniert, werden die weichen für das spätere leben ungünstig gestellt.

die anzahl unserer fettzellen unterliegt bei der geburt genetischen Voraussetzungen, wird im kindesalter stark beeinflusst und bleibt ab dem frühen erwachsenenalter bei ausgewogener energiebilanz konstant.
für eine studie in stockholm wurde fettgewebe untersucht. fazit: wieviel fett ein körper einlagert, wird sowohl von der anzahl der fettzellen bestimmt als auch von ihrer größe. die anzahl ist dabei ab einem alter von etwa 20 jahren ein feststehender faktor ­ die größe kann jedoch variieren. selbst bei menschen, die mit hilfe einer magenoperation bis zu zwanzig prozent ihres körpergewichts abnehmen, ändert sich nur die größe und nicht die menge der fettzellen, entdeckten die forscher. ihrer ansicht nach gilt dies auch für eine gewichtszunahme im erwachsenenalter, auch wenn das nicht explizit untersucht wurde. allerdings könne man nicht ausschließen, dass ab einem gewissen schwellenwert doch noch zusätzliche fettzellen angelegt würden.

„fetter“ werden, das geht immer.
bei einer positiven energiebilanz nimmt die größe der adipozyten kontinuierlich zu, bis eine bestimmte zellgröße erreicht ist. wenn die positive energiebilanz weiter bestehen bleibt, kommt es zur vermehrung der fettzellen, die zellanzahl beginnt zu steigen.

werden fettzellen, z.b. mittels fettabsaugung, entfernt, bilden sie sich an anderen stellen neu.
genetischen faktoren signalisieren dem organismus die menge des gespeicherten fetts. folgerung: werden fettzellen z.b. durch eine fettabsaugung entfernt, strebt der körper danach, die gewohnte anzahl an fettzellen wieder herzustellen. es bilden sich neue fettzellen an anderen stellen, bis das „leck“ wieder aufgefüllt ist.

fazit.
wir kommen mit einer bestimmten anzahl an fettzellen auf die welt. schon in der kindheit und jugend werden unsere „fettlagerstätten“ weiter angelegt. dies wird maßgeblich durch die ernährungs- und bewegungsgewohnheiten unserer eltern, ihrer damit verbundene vorbildfunktion, unser soziales umfeld, die medien (vermeintlich „gesunde“ produkte für kinder) und das angebot an nahrungsmitteln beeinflusst. nun sind wir heute als erwachsene mit einer bestimmten anzahl fettzellen ausgestattet, die sich nicht mehr reduzieren lässt. wir können durch einen vernünftigen lebensstil nur ihr volumen klein halten. die anzahl der fettzellen zu vermehren, ist jedoch ab einem bestimmten schwellenwert durchaus möglich. auch diese bleiben uns dann erhalten, wenn wir wieder an gewicht verlieren. die natur lässt sich nicht austricksen: auch was wir versuchen, operativ zu beeinflussen, bildet sich an anderen stellen neu. all dies deckt sich mit meiner jahrelangen erfahrung mit den unterschiedlichsten klienten.

quellen: brown, p.j.: cultural perspectives on the etiology and treatment of obesity. in: stunkard, a.j.; wadden, t.a. (hrsg.): obesity: theory and therapy. raven press, 2. auflage, s. 179-193, new york 1993 // kirsty spalding (karolinska-institut, stockholm) et al.: nature, online-vorabveröffentlichung, doi: 10.1038/nature06902 // the body-mass index of twins who have been reared apart // albert j. stunkard, m.d., jennifer r. harris, ph.d., nancy l. pedersen, ph.d., and gerald e. mcclearn, ph.d. n engl j med 1990; 322:1483-1487 // meyer, j.m.; stunkard, a.j.: genetics and human obesity. in: stunkard, a.j.; wadden, t.a. (hrsg.): obesity: theory and therapy. raven press, 2. auflage, s. 137-149, new york 1993 // lissau et al. 1992 // maffeis et al. 1994 // allison et al. 1996 // dennison et al. 2006 // ellrott & pudel 1996 // who // professor berthold koletzko, vorsitzender der stiftung kindergesundheit aus münchen
Getaggt mit , , , , , , ,

3 Gedanken zu „ist die anzahl der fettzellen genetisch bestimmt?

  1. Sweetboy sagt:

    Hmm, dann könnte man ja versuchen, sich das gefährliche Bauchfett (Diabetesgefahr etc.) absaugen zu lassen, und wenn der Körper daraufhin dann neue Fettzellen in den Oberschenkeln anbaut – was soll’s, Hauptsache der Bauch bleibt schmal 😀 Oder hab ich den Artikel da missverstanden?

  2. eine hervorragende idee 😉 – am besten gleich ausprobieren und langzeit-erfahrungen hier posten! spaß beiseite: fettabsaugung ist keine alternative für eine gesunde lebensweise hinsichtlich ernährung und bewegung.

  3. Anonymous sagt:

    was ich bereits seit längerem vermute: es ist doch äußerst schwierig, aus einem Elefanten eine Gazelle zu transformen oder aus einem 4zyl-Diesel einen V8 Ottomotor

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