quäl dich.

In meinem Bekanntenkreis tut sich so Einiges. Anstelle nach Tirol zu fahren, plant man eine Expedition zum Aconcagua. Vorher noch schnell auf den Kilimandscharo. Höhentauglichkeit abchecken. Bis unter die Zähne mit Top-Material ausgestattet taucht man im Karwendel auf, Ausrüstungstest. Die Expeditionsstiefel wollen schon mal ausgeführt werden. Eintageswanderungen sind etwas für Spaziergänger. Mehrtägige Gebirgsdurchquerungen kalkulierbare, kleine Abenteuer „back to the roots, mal mit ganz wenig auskommen, nur kalte Dusche, im Lager schlafen, „dabei komme ich total runter“ (im wahrsten Sinne des Wortes!).Mit dem Mountainbike funktioniert das Runterkommen auch, es nennt sich dann Alpencross. Kaum einer, der noch nicht eine oder mehrere dieser Touren absolviert hat (mich natürlich inbegriffen). Erzählt man doch gerne und ausführlich von den xyz Höhenmetern, die täglich zu bewältigen waren. Abends dann todmüde ins Bett und am Ende der Tour völlig ausgelaugt aber überglücklich über den eigenen Durchhaltewillen, für 1000,- Euro 6 Tage Verzicht und körperliche Strapazen in Kauf zu nehmen, um in südlichen Gefilden am Ziel, einem wunderschönen See, angekommen, postwendend vom Bus nach Hause transportiert zu werden. „Wir machen übrigens eine Alpenüberquerung im September“. Klingt nach Hannibal. WOW!

Eine kleine Runde Laufen im Park wird, wie alle anderen körperlichen Aktivitäten unter einer Stunde Dauer, erst ungern als Sport bezeichnet und im Dialog mit „weniger ambitionierten“ bzw. „Hobbysportlern“ mit einem milden Lächeln quittiert. Eigentlich möchte man sich dafür erst gar nicht umziehen. Viel lieber spricht man über eines der Saisonziele, den Berlin Marathon, oder, besser, New York.

Das Training auf dem Rennrad wird ungern wegen widriger Umstände wie einem grippalen Infekt unterbrochen. Schließlich befindet man sich in einem strengen Trainingskonzept. Eine Woche Ausfall, das kann das unweigerliche Ende bedeuten – für das Saisonziel. Der Körper hat die gewünschte Leistung abzuliefern. Ein oder zwei Tage Pause, dann muss es weitergehen! Eine gebrochene Hand, das kann die ambitionierte Hobbyrennradlermittvierzigerin nicht vom Training abhalten – bergauf geht es einhändig prima, bergab transportiert das Taxi.

Wenn etwas zwickt, grundsätzlich am besten prophylaktisch schon vor dem Training eine Ibuprofen. „By the way“: Fersensporn – können Sie den nicht wegschneiden?

Man wird bei Jedermannrennen nie auf dem Siegerpodest stehen, aber irgendjemand ist immer langsamer, und das ist ein sehr, sehr gutes Gefühl. Und letztendlich will man „sich selbst etwas beweisen“ und profitiert von „absoluten Glücksgefühlen – wie high!“.

Sicher kennen Sie auch diese sportlichen Damen mittleren Alters, die eigentlich viel älter aussehen, als sie eigentlich sind. Die kleine und wichtige Menge aufpolsternden Unterhautfettes haben sie sich im täglichen Workout erfolgreich und verbissen abtrainiert. Der Körper wird geschunden und gestresst, Ausstrahlung und Haut leiden darunter. Wie die Gastgeber, die sich mit ansehen müssen, wie vogelähnliche Wesen widerwillig im Salat herumstochern. Erholung? Pause? Keine Zeit. Hektisch dauervibrierend und immer unter Hochspannung wuselt das fragile kleine Knochengerüst durch den Alltag.

Dass der Nachbar gerade mit Triathlon begonnen hat, wird übrigens kritisch beäugt. Er ist gerade vom eigenen Pool in den See umgestiegen. Schwimmt seine Bahnen. In Neopren. „Wollte schon immer mal etwas Besonderes machen. Laufen und Radfahren macht mir sowieso Spaß. Und beim Schwimmen verliert man ja nicht soviel Zeit im Wettkampf. Das hole ich beim Radeln dann schon wieder rein. Ich mache ja nur die Olympische Distanz“.

So manche Stammtischwette sonst absolut Untrainierter endete schon in nicht-enden-wollenden letzten Kilometern bei einem völlig unterschätzten Volkslauf. „Warum tue ich mir das eigentlich an?“ Ja, warum eigentlich?

Warum brauchen wir diese Extreme?
Wir wollen etwas Besonderes sein, schneller, besser, kreativer und mutiger, und immer jung. Wir berichten gerne von unseren radikalen oder exotischen Ausflügen und Selbstversuchen.

Wandern gehen, das ist ist gar nichts Besonderes. Ausgewogen essen unspektakulär.
„Sie essen Kartoffeln???????? Ich praktiziere seit Wochen „low carb“ und fühle mich wieeee neugeboren“. Heute low carb, morgen low fat, heute high intensity, morgen „fit mit 20 Min. Training pro Monat“. Hauptsache anders, Hauptsache etwas Neues.

Sie können und wollen da nicht mithalten? Besser so!
Zur Beruhigung: Zwei- bis dreimal pro Woche lockeres Training, am besten an der frischen Luft, 30-45 Minuten sind als Gesundheitstraining und zur Figuroptimierung völlig ausreichend. Walken, Laufen, Wandern, Fahrradfahren, Schwimmen, Krafttraining, Yoga, Pilates… Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Koordination trainieren. Sie müssen es nur RICHTIG machen. Individuell ausgewogen und gesund essen und trinken. Stress REDUZIEREN bzw. richtig dosieren (dazu gehört auch hochintensiver Sport). Normalgewicht erreichen. Pausen, Entspannung und leckeres Essen bewusst genießen. Sich Zeit für sich selbst nehmen. Nicht spektakulär – aber sehr wirkungsvoll.

Straff, sportlich, gesund, fit, leicht, gut gelaunt, mit blendender und junger Ausstrahlung – das schaffen Sie ohne Extreme und ohne Ihr Immunsystem zu belasten. Profitieren Sie von meiner Erfahrung und zahlreichen, langfristigen Erfolgen meiner Klienten. Professionelles, umfassendes Privattraining und Gesundheitsmanagement ist die effektivste Weise, dauerhaft in Form zu kommen. Zu Ihrem individuellen Erfolgsplan berate ich Sie gerne. Ich bringe Sie gut gelaunt an Ihr Ziel! 

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2 Gedanken zu „quäl dich.

  1. Stefan sagt:

    gute (Selbst ?:-)Erkenntnis, bianca, ja, dieser Spagat zwischen gar nichts tun und dann nur das absolut Spektakuläre wollen, ist schon sehr ausgeprägt. Ist natürlich jetzt die männliche Sicht auf das Problem. Für Frauen ist es vermutlich heute noch schwieriger, die (vom jeweils anderen Geschlecht gewünschte) gelassene Weichheit in sich zu kultivieren.
    Sollte ich jetzt doch besser mal ne Runde spazieren gehen? 🙂

    Gruß vom Großfuß

  2. hallo stefan, gelassene weichheit hört sich gut an! das ganze am besten in einem vitalen und straffen körper. das eine schließt das andere nicht aus. ich arbeite täglich an meiner vorbildfunktion 😉 dazu musste/muss ich natürlich alles selbst ausprobieren. die erfahrung zeigt, der sanfte weg ist häufig der bessere…
    aber die medien tragen mächtig zur „verspannung“ der allgemeinheit bei. aktuell „revolutioniert“ ein dr. dukan die welt der abnehmwilligen…

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