Schwalbe Tour Transalp 2013: Team Laktatlounge schnuppert Rennluft! Über 800 km, 18.000 Höhenmeter, 19 Pässe, 7 Etappen. So der Plan. Ein kurzer Nachbericht.

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Ja klar, erst schieben lassen…                                                                         foto: marathon-photos.com

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…und dann posen ;-)                                                                                            foto: marathon-photos.com

Die Neugier
Im Dezember 2012 haben wir an der Verlosung der Startplätze des “Spektakulärsten Jedermann 2er- Team Etappenrennens Europas” teilgenommen. Immer wieder kam der Gedanke bei mir auf, ich wollte unbedingt einmal dabei sein. Start in Sonthofen, gleich um die Ecke. Passt. Der Zeitpunkt schien richtig. Michi und ich sind ein gutes Team (es wird immer im Team gefahren. Damen, Herren oder Mixed). Ich gebe zu, ich war der treibende Part. Aber ich hätte ihm sowieso keine Ruhe gelassen. Und wir hatten Glück: ein Startplatz! Wie aufregend!!! Wir waren uns einig: 1. das Ganze als ein Abenteuer und eher wie einen spannenden Kurzurlaub sehen. 2. Wenn wir keine Lust mehr haben, aussteigen. Sobald einer das möchte oder muss – ohne Terz oder Vorwürfe zu machen. 3. Wir haben nix zu verlieren. Zuhause sind wir ja auch ganz gut unterwegs. Fürs gute hintere Drittel müsste es schon reichen. Auf jeden Fall nicht Letzte werden. 4. Kein fahrtechnisches Risiko im Feld / bei Abfahrten eingehen, essentiell ist: unfallfrei durchkommen. 5. Also alles ganz easy angehen lassen. 6. Für mich selbst sollte es auch ein kleines Forschungsprojekt zum Thema “Ernährung und schnelle Erholung” bei Etappenrennen sein.

Die Vorbereitung
Seit über 10 Jahren fahre ich mit Begeisterung Rennrad. Seit 6 Jahren pendle ich zwischen Allgäu (wo ich auch den Hauptteil meiner Freizeit verbringe) und Nürnberg. Im Jahr fahre ich zwischen 6000 und 8000km und das zwischen April und Oktober. Ab November radeln wir eigentlich gar nicht mehr. Sobald ausreichend Schnee liegt, gehen wir Langlaufen oder mit Tourenskiern den Berg hinauf. Bergläufe, Functional Training, Pilates – das ist alles, was ich privat an Sport im Winter sonst noch mache. Meine spezielle Vorbereitung auf die Tour Transalp sah folgendermaßen aus: Im März 7 Tage Malle, zu Hause bei Schlechtwetter ca. 5 Mal auf dem Spinningbike für zwei Stündchen im Studio auf der Stelle treten (gähn), ein paar Mal raus mit dem Mountainbike und ein paar Mal Bergintervalle am Oberjoch. Das musste reichen, “schließlich solls ja Spaß machen und kein Rennen werden” (O-Ton!!!). Dazu später mehr. Renngewicht, spezielle Ernährung vor dem Wettkampf usw., alles Themen, mit denen ich mich beruflich täglich beschäftige, alles kein Thema für uns, wir sind schließlich hier auf privater Vergnügungsfahrt. Kennen viele der Pässe, vor allem die großen. Kommen überall gut rauf. Immer schön locker bleiben. Wir haben zum Start in den Beinen: 2000km.

Die Aufregung vor dem Start
Um nicht unnötig genervt zu werden, hatten wir niemandem von unserem Vorhaben erzählt, nur ein paar Bekannte aus dem Internet wussten es. Und unsere besorgten Eltern ;-). Im weiteren Bekanntenkreis gab es unter Teilnehmern schon Monate vor der Veranstaltung kein anderes Thema. Wie kann man sich nur so verrückt machen, dachten wir. Auch die zu erwartenden Materialdiskussionen (spinnst Du, Hochprofil, Carbon, und wenn es regnet???…). Zwischendurch kam bei mir einmal kurz Zweifel auf. Würde ich das eigentlich überhaupt schaffen? Über 800 km, 18.000 Höhenmeter, 19 Pässe, 7 Etappen, auf Zeit, am Stück? Ich will nicht als Letzte ankommen!! Wir können die Sache noch abblasen und unseren Startplatz zurückgeben! Ein Check der Durchschnittsgeschwindigkeit in den Ergebnislisten des Vorjahres gab mir die Beruhigung, dass ich, wenn alles gut läuft, irgendwo im hinteren Mittelfeld ankommen könnte. Ok! Michi sowieso, bei uns bin ich der limitierende Faktor, obwohl er wesentlich schwerer ist als ich. Am Vorabend vom Start haben wir unsere Unterlagen abgeholt und sind zum Briefing und gemeinsamen Nudelessen. 1300 Bekloppte (650 Zweierteams), alle aufgeregt und voller Begeisterung, alle mit dem gleichen Ziel. Toll!! Und ein paar davon nach optischer Beurteilung in jedem Fall langsamer als wir. Wir werden also nicht Letzte. Noch toller!!!! Konnte in der Nacht gut, aber nicht sehr lang schlafen.

23.06.2013

Etappe 1, Sonthofen > St. Anton am Arlberg, 124km, 2160hm

Lernen. Und: Man(n) hat es echt nicht einfach mit mir.

Diese Etappe beschreibe ich etwas ausführlicher, weil es für mich die Schlüsseletappe war.
Die Streckenführung wurde zweimal aufgrund schlechter Wetterverhältnisse (Schnee und Eis, gesperrte Passübergänge…) geändert, was uns nicht weiter tangierte. Es war ja Urlaub.

Unsere Anfahrt aus Immenstadt war nicht besonders lang oder spannend. Beim Aussteigen aus dem Auto und Rad fertigmachen fing die Transalp für uns richtig an. Kühl, trocken, aber mit Aussicht auf Regen und Kälte – haben wir alles dabei für die erste Etappe? Rennluft in der Nase, der Duft von Startöl, früh am Morgen soviele Rennradler, die nervös wie die Ameisen durch Sonthofen wuseln zum Warmfahren. Wir auch, auf dem Weg zur Startlinie. Michael: “Komm, wir schieben uns da vorne rein.” Bianca “NEEENEEENEEE wir sollen uns doch nach Startnummern aufstellen. Wenn das jeder machen würde, dann”…ich erspare das Hin und Her, auf jeden Fall haben wir uns nach diversen Diskussionen schön brav in den entsprechenden Nummernblock, also in unserem Fall für Startnummer 428 = am Arsch der Welt, aufgestellt. Ich war zufrieden. So wird man uns schon mal nicht von hinten über den Haufen fahren. Vor uns ein Paar mit geschätzten 150Kg Eigengewicht ohne Material. Das haben wir auch, nur anders verteilt :-).  Hier sind wir richtig. Laute Musik. Gelächter, fröhliches Beäugen von Mensch und Material. Gegenseitiger Mut-Zuspruch und gute Wünsche. Die restlichen Minuten auf den vor dem Start üblichen, unerträglichen Pseudo-Harndrang konzentriert. Es geht los und die Karawane setzt sich in Bewegung.

Viele jubelnde Zuschauer, inklusive stolzer Eltern am Wegesrand. Bis wir uns durch den Ort geschoben haben, dauert es etwas. Auf freiem Feld vor uns eine Schlange an Radlern, soweit das Auge reicht. Am Horizont Richtung Alpsee zum tatsächlichen Start (bis dahin läuft es neutralisiert) schwarze Wolken. Vor dem Ortseingang Immenstadt Verzögerung wegen enger Straße. Mein Plan: Ideal, um kurz anzuhalten und die Regenjacke schon mal anzuziehen. Ich bin so ein Käpsele, einfach clever, denke ich bei mir! Derweilen fahren zig Teilnehmer an uns vorbei. Schnell wieder ins Feld. In so einer Regenjacke wird es einem ja ziemlich schnell warm. Ich fahre ja heute zum ersten Mal überhaupt Rennrad, und dann mit einer Regenjacke ;-), ist wohl besser, ich zieh sie gleich wieder aus. Es regnet auch (noch) nicht. Also, kurz vor der Startlinie am Alpsee nochmal anhalten. Kein Risiko, hatten wir ja gesagt – also nix “während der Fahrt ausziehen”. Somit waren die letzten Teilnehmer der Tour Transalp 2013 ganz gemütlich an uns vorbeigeradelt. Hinter uns jetzt nur noch der Besenwagen. DER BESENWAGEN??? Oh! ;-). Besenwagen hinter uns geht gar nicht, also, Vollgas Richtung Oberstaufen.

An zwei Mädels vorbei und weiteren kleinen Grüppchen, die sich sofort kurz hinten angehängt haben, aber dann reißen lassen mussten. Später eine geeignete Gruppe. Da bleiben wir dran. Noch wenig später und nach realistischer Einschätzung der zukünftigen Geschwindigkeitsentwicklung dieser Gruppe ruft Bianca zu Michi vor: “Überhol die bitte, die halten uns auf!” Michi überholt also und wir ziehen an der ganzen Gruppe vorbei. Das kostet Michi viel Kraft. Nachdem wir uns keine Blöße geben wollen, schaffen wir uns entsprechenden Abstand. Leute, was jetzt kommt, ist kein Witz. Ein paar Km später muss die kleine Bianca nämlich sehr dringend Pipi. Und das dauert! Unmutsbekundungen von Michi, ob ich noch ganz dicht bin (nö, eben, hätte es nicht mehr länger ausgehalten!!!!). Die hinter uns haben aber trotzdem nicht ganz aufgeholt. Ätsch! In mir keimt der Gedanke, dass meine Herangehensweise an ein Etappenrennen gegebenenfalls doch nicht so optimal ist. Ich werde mich bessern. Der Rest der Etappe verlief für uns trotz strömendem Regen und schlechter Sicht angenehm, da wir eigentlich nur überholt haben. An den Verpflegungsstellen haben wir die Flaschen aufgefüllt und etwas gegessen. Alles top organisiert. Im Zielbereich sofort die Speicher aufladen, AAAAHHH wie lecker schmeckt was Pikantes nach dem ganzen Gel-Kram. Neugieriger Blick auf die Ergebnisliste. Platz 51 von 103 Mixed Teams, trotz der Unbilden und Schleicherei am Anfang, sehr beruhigend. Hatte ich mir doch umsonst Sorgen gemacht wegen unserer Leistung. Brrrrr kalt, schnell das Hotel suchen.

Um alles etwas abzukürzen, der folgende Ablauf wiederholte sich jeden Tag (bis auf Tag 2):

1) das gebuchte Hotel suchen
2) beim Einchecken feststellen, dass die eigene Tasche da ist und dem Himmel danken (die Organisiation ist großartig – Du gibst vorher an, in welchem Hotel Du logierst, das Transalp Team schafft Deine Tasche dorthin)
3) nasse Klamotten ausziehen und zum Trocknen aufhängen
4) heiß duschen (oder baden!!! :-))
5) in der Tasche rumwühlen und die Klamotten für die nächste Etappe aussuchen, die garantiert ganz unten sind.
6) Startnummer von der alten Klamotte ab, an die neue Klamotte dran
7) Beine massieren und hochlegen
8) Daten auf Strava hochladen
9) Rad putzen
10) zum Essen, anschl. Briefing
11) Tasche packen (muss immer ganz früh Morgens am Hotelempfang abgestellt werden für den Weitertransport)
12) schlafen
13) aufstehen, Radklamotten an, frühstücken, los zum Start

Hier findest Du meine Etappe: http://www.strava.com/activities/62321117

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damit klar ist, wer auf der rechten seite liegt.

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Etappe 2, St. Anton am Arlberg > Imst

Transfer

Es gab gegen Ende der Etappe 1 einen tragischen Unfall, von dem wir aber erst beim Briefing am Abend richtig mitbekamen. Deshalb, und auch in Erwartung des wirklich grausigen Wetters (es schüttete & Eiseskälte), wurde die zweite Etappe gecancelt und ein kurzer Transfer im Tal ohne Wertung gefahren. Die Teilnehmer hatten auch die Möglichkeit, in eigener Organisation mit Auto oder Zug zum nächsten Etappenort zu fahren. Wir haben den Zug und Bus genommen. Vielen Dank an den Busfahrer, der, als er uns mit den Bikes gesehen hat, beschlossen hat, diese Haltestelle einfach auszulassen ;-). Der nächste war freundlicher.

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Etappe 3, Imst > Zernez, 109km, 2095hm

Das hier ist ein Rennen. Machen wir mit?

Sehr gut erholt ging es nach dem Ruhetag an den Start der dritten Etappe. Wer hätte das gedacht: Kälte & Regen! Die steile und lange Abfahrt von der Pillerhöhe in strömendem Regen war für mich eine weitere Bestätigung, dass die Lightweight Meilenstein Tubular wirklich unter ALLEN Bedingungen eine gute Wahl sind. Reihenweise Ausfälle am Straßenrand von Teilnehmern, die durch Felgen-heiß-bremsen Reifenplatzer hatten. Delaminierungen haben wir aber auch gesehen!! “Richtig” bremsen beim entsprechenden Material ist wichtig. Laufen lassen und dann stark runterbremsen. Oder intermittierend “in die Eisen”, gell, Michi (mein Brems-Coach ;-)).

Leider kann ich von schönen Ausblicken wenig schreiben, bis auf die letzte Etappe hatten wir keine gute Sicht und man entwickelt unterwegs durch das ständige konzentrierte Fahren eine Art Tunnelblick. Die Tour hätte IRGENDWO stattfinden können. Einige Pässe der Gesamtstrecke kannte ich und konnte mir so gut vorstellen, wo wir waren, und wie es dort normalerweise ist. Die Etappe lief gut und ohne größere Zwischenfälle. Erstaunlich, um was sich Leute kabbeln, Rangeleien und Platzkämpfe im hinteren Feld mit verbalen Drohungen (hi, hi, wehe, wenn sie losgelassen…) wo es doch eh um nix geht. Wir haben mit einzelnen Team Mitgliedern gesprochen, die nun jeder für sich unterwegs waren, weil sie sich mit ihren Partnern zerstritten hatten. Hm. Oft bestätigte sich der Eindruck, Hobbysportler sind noch mehr vom Ehrgeiz zerfressen, als Amateure und Profis. Die Etappe war für mich anstrengender als vermutet, mir liegen die großen Pässe mit stundenlangem Hochdrücken eher, als abwechselndes auf und ab. Trotzdem, Team Laktatlounge als 29. von mittlerweile nur noch 100 Mixed Teams im Ziel. Nicht schlecht! Mein Ansporn: ein Platz weiter vorne, und wir dürfen in Startblock B starten!! So langsam erwachen die “Kampfgeister” :-). Wir sind motiviert. Wir beschließen, in Verpflegungszonen nicht mehr richtig anzuhalten. Reine Zeitverschwendung ;-)

Hier findest Du meine Etappe: http://www.strava.com/activities/63247586

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Etappe 4, Zernez > Livigno, 136 km, 3950hm, oder so

Voll königlich

Die Königsetappe macht Ihrem Namen alle Ehre. Heute stehen 136 km und fast 4000 hm auf dem Programm. Wäre für sich schon eine Hausnummer, wenn man nicht schon was in den Beinen hätte. Bei dieser Etappe durfte Michi mich “ab und zu” ein bisschen schieben (der ARME!!!). Das mit dem Schieben ist erlaubt, man darf dem schwächeren Partner schiebend helfen. Auch ganz Vorne im Feld ist das Gang und Gäbe. So sind in Mixed Teams bessere Zeiten möglich, da meist einer am Berg der Stärkere ist. Auch Männer schieben Männer. Und auch wenn es Manchen seltsam vorkommt – die Schieberei hat nichts damit zu tun, dass man alleine nicht über die Pässe kommen würde. Es ist einfach eine Zeitfrage. Doch zurück zur Strecke! Die Pässe waren uns alle bekannt, wir wussten also, was kommt.

Diese Etappe werd ich nie vergessen, weil sie in der Kombination der einzelnen Pässe einfach UNGLAUBLICH ANSTRENGEND aber auch UNGLAUBLICH SCHÖN zu fahren war. Über den Ofenpass ging es hinunter nach Prad, dann das Stilfser Joch hoch, das ich schon gut kannte und in diesem Jahr dann noch 2x gefahren bin. Ein Traumpass. Oben Schnee. Dann wieder runter in wärmere Gefilde, um über Foscagno und Eira nach Livigno zu gelangen. In der letzten, kurzen Auffahrt zum Passo d’Eira habe ich wirklich alle Körnchen mobil gemacht, ich war absolut fertig :-)))) und überglücklich, heulend vor Glück, in der Abfahrt nach Livigno. Ein großartiger Tag, wir hatten unsere Kräfte genau richtig eingeteilt. Was für eine Tour. Was für ein genialer Empfang in Livigno im Zielbereich. Top Verpflegung. Auf der Wiese in der Sonne sitzen. Sonne!!! Zumindest für kurz… geschafft. Abends zur Belohnung ins Steak Restaurant. Vorspeise Pizzoccheri. Unvergesslich lecker!!! Ist für mich normalerweise ein Hauptgericht. Konnte keine Nudeln mehr sehen. Die Übernachtung hatte ich in weiser Vorraussicht in einem Top Hotel mit super Wellnessbereich gebucht. Nette Gesellschaft und gute Gespräche in der Sauna. Platz 25 von noch 90 gewerteten Mixed Teams. Schlafen! Morgen kommt der schlimme Mortirolo :-). Und ich kann kein Gel mehr sehen. Michi schnieft heute Abend etwas. Hoffentlich bekommt er keine Erklältung. Danke Pannenmilch, wegen Dir hatte ich heute keinen richtigen Platten (in der Abfahrt vom Stilfser hat es kurz gezischt – ein spitzer Stein).

Hier findest Du meine Etappe: http://www.strava.com/activities/63247593

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Etappe 5, Livigno > Aprica, 116km, 2878hm

Der Mortirolo ist aber schon ganz schön steil!

Wer den Mortirolo schon von Mazzo aus hochgefahren ist, weiss Bescheid. Und jetzt stell Dir das mal mit der Vortages-Etappe in den Beinen vor. Michi hat beschlossen, trotz Schnupfen anzutreten aber den Ball flach zu halten, bestimmte Pulswerte nicht zu überschreiten. Ich habe auf dem Weg nach oben beschlossen, mich dem gepflegten in meinem Hirn entstehenden Wahnsinn hinzugeben und mich mit Humor über Wasser zu halten. Meine Sprüche beim Schalten, wie “uuuups, ich hab ja noch einen Gang, oh Mann, wenn ich das vorher gemerkt hätte” und das darauf folgende Gelächter oder Geheule meiner Leidensgenossen haben mich wieder ein paar Meter weiter nach oben getragen. Und Michi, der ab und zu geschoben hat. Der Wahnsinn. So eine (herrliche) Quälerei. Wie kann man so beknackt sein, da freiwillig hochzufahren. Fahren ist irgendwie nicht der richtige Ausdruck. Der Mortirolo von Mazzo ist der Gong, das Schlimmste, was ich bisher hochgefahren bin, eine unendliche, 12Km lange Marter, kein Meter Erholung, ohne Unterbrechung. Wenn Dir 7 Prozent wie “eben” flach vorkommen, bist Du am Mortirolo. Oben angekommen ist dann wieder alles Leid vergessen. Und jetzt gehts ja quasi nur noch bergab ;-)! Nach dem angenehmen Rest der Etappe als 30. von 91. gewerteten Teams im Ziel. Unser Gesamtplatz Mixed: 25. Ein Wunder, was ein Körper so leisten kann, denke ich bei mir.

Hier findest Du meine Etappe: http://www.strava.com/activities/63247483

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Etappe 6, Aprica > Kaltern, 144km, 2890hm (ich glaub, weniger)

Ride&Freeze-Eat-Sleep-Repeat

Heute geht es über den Tonale Pass, Brezer Joch und Mendelpass. Die eigentliche Strapaze weht uns in Form von starkem, eiskalten Wind und starkem Regen (…) in der rasanten Abfahrt des Passo Tonale entgegen. Shit, ich spüre meine Hände nicht mehr, auch nicht mein Gesicht. Beine??? Michis Temperaturmesser zeigt -9 Grad an. Das gibt ne fetzen Blasenentzündung, spukt mir im Kopf herum. Der Arme, erkältete Michi. Und die Abfahrt nimmt kein Ende. Ich hab ihm angeboten, auszusteigen. Aber er will nicht. Wir kämpfen uns da gemeinsam durch!! Unten wird es langsam wärmer. In der Ebene geben wir Gas und haben nette Begleitung. Es geht uns wieder gut :-). Zwischendrin wundern wir uns über renntaktisch völlig unkluges Verhalten von Teams. Renntaktik? Sollte doch eigentlich kein Thema für uns sein. Wir sind doch voll locker ;-)…

Das Highlight des Tages ist die Abfahrt vom Mendelpass. Gänsehaut! Kreisch! Ein Traum! Ich stürze mich hinunter, der absolute Flow, YEAH!!! Ich bekomme von einem fremden Fahrer, der auch noch sehr professionell daher kommt, ein Kompliment wegen meiner Abfahrtstechnik und Geschwindigkeit. Danke! Ich bin stolz wie Bolle. Die Gesichter der Leute wie immer nach der Etappe: glücklich, platt und zufrieden. Als 28. von 88 gewerteten Mixed Teams im Ziel. Gesamtplatz 24 Mixed. HE, HE! ;-) aber wieder am Startblock B für den nächsten Tag vorbeigeschrappt… der Startplatz ist so wichtig, vor allem bei Etappen, die flach starten… und wir sind ja jetzt IM RENNMODUS, also morgen… im Zielbereich gibt es BRATWURSTBRÖTCHEN und BIER (“Rennmodus aus”), für das ich mich gerne eine Stunde anstelle. Michi sitzt derweilen in der wärmenden Sonne und versucht, seinen Schnupfen loszuwerden. Kaltern, der Zielort des heutigen Tages, ist der erste Ort, an dem es wirklich nicht mehr kalt ist. Alles super!!!!

Hier findest Du meine Etappe: http://www.strava.com/activities/63423713

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Castelli Gabba, mein Lebensretter für all die nassen und kalten Etappen.

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Etappe 7, Kaltern > Arco, 103km, 1625hm

Vollgaaaaaas!!! :-)

Frisch betankt und schon ein wenig wehmütig starten wir zur letzten Etappe. Zwei drei Songs, die uns auf allen Etappen immer im Start und Zielbereich begleiten, werden wir wohl unser Leben lang mit der Tour in Verbindung bringen. “An Tagen wie DIEEEEEEESEN….” lalalaaa. Wir sind jetzt übermütig und haben uns hinten in den Startblock B geschlichen. Ts, Ts. Meine Hommage an den tapferen Michi: ich bin jetzt auch mal mutig.

Die Etappe läuft kurz neutralisiert, dann werden wir losgelassen. Ich fahre mir die Seele raus. Die ersten 30km sind quasi flach und wir bügeln wie im Rausch dem Fai della Paganella entgegen. Gestern noch über Renntaktik anderer geschmunzelt übernehme ich (völlig größenwahnsinnig…HAHA, zum Lachen…) die Führung einer größeren Gruppe der Startgruppe B (was ja genau mein Kaliber ist, GRÖÖÖHL), welche mir von netten Fahrern großzügig überlassen wurde. Klar. Keiner will nach vorne. Keiner will Körner lassen. Das hier ist ein Rennen! (…). Michi ist ausser sich und pfeift mich zurück. Aber das hat doch so Spaß gemacht!!!… Der kleinen Bianca zieht es dann leider wenig später am Berg die Schuhe aus. Hilfe, ich stehe :-). Das ist die Quittung, am Vortag hatte sich schon mit deutlich niedrigeren Pulswerten angekündigt, dass ich sowieso nicht, sagen wir mal, in der Blüte meiner Höchstleistung stehen werde. Ich leide. An so einem Popel-Pass. Michi leidet auch, denn er muss mich wieder mal schieben. Wie ärgerlich.

Nach einer gefühlten Ewigkeit und in Gewissheit von Speichern, die ich im Laufe der Etappe niemals mehr werde aufladen können (was egal ist, denn wir halten sowieso grundsätzlich nicht mehr an), geht es in ein eher entspanntes, landschaftlich schönes Auf und Ab. Heute sieht man auch mal was und hier, in der hinteren Hälfte des Gesamtfeldes, ist es so schön entspannt! Schau mal, die Blümchen! Wir finden wieder ein paar nette Leute mit der gleichen Geschwindigkeit und wechseln uns ab. Es wird immer wärmer und der letzte Pass, der Passo Ballino, steht an. Vor uns entdecken wir ein Pärchen, die überholen wir aber noch!!! Dass die Beiden die Etappe wohl wesentlich ökonomischer und cleverer gefahren sind als wir, zählt für sie leider gleich nicht mehr. Der Mann hört uns und dreht sich um. Sie werden schneller. Das kennen wir schon. Das macht ungeahnte Energien frei. Die nutzen wir jetzt. Und tschüss.

Die anschließende Abfahrt mit Blick auf den Gardasee ist mit dem Rennrad viiiiieeeel schöner als mit dem Mountainbike, mit dem wir sonst immer hier sind. Vollgas runter, aber aufpassen, wir wollen ja heil ankommen. Wir geben nochmal alles und dann haben wir das Ziel direkt vor Augen. Team Laktatlounge ist drin, und es ist noch alles dran!!! Am Team und an den Bikes! Heute Als 31. von 88 gewerteten im Ziel, Gesamtrang Mixed 22!! Der 22. Platz, Wer hätte das gedacht. Wir hängen lange noch im Zielbereich herum, sitzen im Cafe, gucken, genießen.

transalpmikeybianca

juhuuu wir sind daaaa!!!!                                                                         foto: marathon-photos.com

Hier findest Du meine Etappe: http://www.strava.com/activities/63808985

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Das Fazit:
Ein großartiges, unvergessliches Erlebnis. Die Teilnahme war die richtige Entscheidung – und es war schön, so grün hinter den Ohren loszufahren. Denn da sind wir uns sicher: Mit dem gewonnenen KnowHow und dem erwachten “Kampfgeist” würden wir nicht mehr so entspannt an der Startlinie stehen. Wir hätten Stress mit der Vorbereitung, würden unsere Ernährung optimieren, ganz auf Alkohol verzichten (pfffff), im Winter auf der ollen Rolle hocken, strukturiert trainieren (und manche Alternativsportarten nicht mehr in der gewohnten Intensität ausüben können), ganz bestimmt mit weniger Körpergewicht und mindestens 4000km in den Beinen an den Start gehen, taktisch klüger fahren. Es würde ein richtiges Rennen. Es würde im Vorfeld einen Aufwand bedeuten, auf den wir keine Lust haben. Wegen der goldenen Ananas, da wir sowieso nie unter die ersten 10 kämen. Die sind einfach super gut unterwegs :-). Großes Kompliment!

Hut ab an alle Teilnehmer, vor allem an die, die jeden Tag noch weit nach Zielschluss ins Ziel kamen. Sie mussten viel viel mehr kämpfen und länger “leiden”. Schappooohhh an alle!

Vielen Dank, Körper! Man vergisst so schnell, was alles funktioniert, wenn es funktioniert. Du bist ein Wunder.
Vielen Dank, Michi, mein großer Held.
Vielen Dank, ihr netten Leute um uns herum, für eure Begleitung und gute Laune!
Vielen Dank an die Organisation. Alles topp. Alles übersichtlich. Alle nett. Alle superflexibel.
Vielen Dank auch noch extra an die Race Sherrifs und alle Streckenposten. Ihr wart super.
Vielen Dank an die Trainerin in mir. Deine Ernährungsstrategie hat sich bewährt.
Vielen Dank, Look 695, Du Traumrad.
Vielen Dank, Lightweight, ihr geilen Carbondinger.
Vielen Dank, Castelli Gabba, Du geniales Kleidungsstück.

Vielleicht fahren wir irgendwann mal wieder mit!!!

Aber DANN!!! ;-)))

Auf jeden Fall ganz entspannt.

Bianca & Michael
Team Laktatlounge.de

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